Ich hab’s mal wieder getan: Nix. Ich hatte vier Tage frei, die ich ausschließlich mit Rumhängen verbracht habe. Und es war großartig. All den Überlegungen und Zwängen und Kommentaren aus meinem Umfeld im Sinne von „Du könntest doch…“, „Du solltest mal…“, „Du müsstest unbedingt…“ habe ich widerstanden. Ich habe im Geiste meine rechte Hand erhoben, die Handfläche zu mir gewandt, eine Faust geballt und meinem Mittelfinger viel Raum zur Entfaltung gegeben. Lasst mich alle in Ruhe mit eurem Stress, ich häng‘ jetzt einfach ab!
Seit ich einst einen Artikel in der Zeit gelesen habe, wie enorm wichtig Langeweile für Intelligenz und Kreativität ist, pflege ich regelmäßig das ungehemmte Nixtun. Es funktioniert! Ich möchte sogar noch weiter gehen: Rumhängen macht schön und trägt zum Weltfrieden bei.
Man muss sich natürlich vorbereiten aufs Rumhängen und vorher viele Getränke einkaufen. Man sollte legere Kleidung tragen, in der man schlafen, aber auch dem Pizzaboten öffnen kann. DVDs und Bücher sind nur in Maßen erlaubt. Denn am besten sinniert man einfach, schaut aus dem Fenster oder beobachtet, wie sich die Wollmäuse im Wohnzimmer demokratisch organisieren.
Nahezu ganz von selbst ist mir in dieser Zeit eingefallen, wie ich ein kniffliges Computerproblem lösen kann: Ich rufe einfach meinen Kollegen in Koblenz an (INTELLIGENZ!). Meine Haut wurde im selben Moment zart und rosig (SCHÖNHEIT!). Dann sind mir viele tolle Sachen eingefallen, die ich demnächst machen könnte (KREATIVITÄT!). Zum Beispiel diesen Text schreiben. Das muss man sich aber vornehmen, man darf nicht sofort loslegen und das Rumhängen damit beenden. Ich habe also einen leeren Pizzakarton in Richtung Haustür geschleudert und darauf gehofft, dass ich mich an die Blogidee erinnere, wenn ich vor meinem nächsten Arbeitstag den Karton an der Tür wiederfinde. Wie Sie sehen, hat’s geklappt.
Als ich übrigens letztes Mal so richtig rumgehangen habe, hatte ich die Idee, dass ich meinen Balkon toll bepflanzen könnte. Habe ich dann auch gemacht, als ich wieder in der aktiven Phase war. Ich habe gegärtnert wie verrückt und mich dabei noch mit den Ameisen auf meinen Stiefmütterchen angefreundet. Und den ganzen Spätsommer über konnte ich die Früchte meines Tuns ernten: Die Cocktailtomaten sind super gewachsen und bei jeder Ernte hab ich mit den Ameisen geplaudert. Ich habe mich also mit fremden Völkern angefreundet und mir neue Nahrungsquellen erschlossen. Mit anderen Worten: Ich bin eine Botschafterin des FRIEDENS geworden. Dem Rumhängen sei Dank!
Damit das ganz klar ist: Ja, das ist ein Aufruf zur Gewalt. Opfer: die Schneeengel. Motiv: Ich kann nicht länger mit ansehen, wie sich meine Mitmenschen hemmungslos in den Schnee werfen und debil mit Armen und Beinen wackeln.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde es völlig okay, wenn Kinder das tun. Kinder essen Regenwürmer und glauben an den Osterhasen – da können sie von mir aus auch Schneeengel toll finden. Aber erwachsene Menschen sollen bitte schön die Contenance bewahren.
Seit heute Nacht ist ja Winter. Gefühlt jedenfalls, denn es hat ein paar Flocken auf Mainzer Gassen geweht. Kaum gucke ich heute Morgen aus dem Fenster, wirft sich auch schon der erste Passant auf den Bürgersteig und wedelt sich einen. Mitten in der Neustadt! Das hat er aber bereut: Patschnass und total dreckig war der hinterher!
In diesem noch jungen Winter bemerke ich einen deutlichen Hang zu infantilem Verhalten. Das beginnt bei der Kleidung: Ist euch mal aufgefallen, wie viele Menschen Fausthandschuhe tragen? In Rosa, Pink und mit Tieren drauf, so welche, die man aneinanderbinden kann? Das geht doch nicht! Als Erwachsener braucht man Handschuhe, mit denen man lässig mehrere Glühweintassen balancieren und beim Autofahren anderen den Stinkefinger zeigen kann. Habt ihr das mal mit Fäustlingen versucht?
Noch so was: Schlitten fahren. Kaum fallen die ersten Flocken, da patschen auch schon die ersten freudig quiekend wie kleine Seehunde die Flossen aneinander. Da mache ich nicht mit. Ich bin nämlich schon mehr als acht Jahre alt!
Ich kann nur hoffen, dass ihr trotz des Schnees die Fassung bewahrt. Toi, toi, toi!