Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht der Thilo vor der Tür. Das reimt sich. Und was sich reimt, ist gut, das wusste schon der Pumuckl.
Der hatte mit Thilo Sarrazin nach meinem Kenntnisstand allerdings auch nichts zu tun, die Mainzer Ranzengarde schon. Sie hat den berühmt-berüchtigten Autor und ehemaligen Berliner Finanzsenator eingeladen, damit er am Sonntag die Laudatio auf Lars Reichow hält. Sarrazin hatte im vergangenen Jahr selber den Ehrentitel eines „Ranzengardisten“ erhalten.
Und das passt in Mainz nicht jedem. FICKO zum Beispiel passt es gar nicht und deswegen macht das “Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte” mobil. Auf seiner Homepage www.ficko-magazin.de ruft es mit vielen Organisationen wie der DGB-Jugend Rheinland-Pfalz, Attac und dem Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen zu einer Demonstration auf. Los geht es am 2. Januar um 15 Uhr am Hauptbahnhof.
FICKO ist ein Internet-Mitmachmagazin. Sein geheimnisvoll versauter Name ist angeblich keine Abkürzung für irgendwas, er klingt halt einfach gut. Betreut wird die Plattform federführend von Mitgründer David Häußer, Marlies Bayha und Sermin Usta. Erklärtes Ziel ist die „Entdeppung“ der Welt — und da kann doch keiner was dagegen haben. Mitmachen darf jeder, vom Schüler bis zum Senior, sofern er so gutes Deutsch schreibt, dass die Redaktion nicht allzu viel redigieren muss und sofern er die Gutmenschlichkeit befördert. „Liebe ist besser als Hass“, sagt Häußer so überzeugt, dass man ihn im Geiste mit Blumen im Haar und Peace-Zeichen vor sich sieht. Dabei macht der Mann Hip-Hop: „Wir sind nicht objektiv, aber wir wollen korrekt zu Leuten sein — und dabei mit Spaß durch die Welt gehen.“
In Sachen Demo ist ihm eines besonders wichtig: „Wir haben überhaupt nichts gegen Thilo Sarrazin als Person und wir wollen auch nicht so tun, als gäbe es keine Probleme in Deutschland. Aber so wie er vorgeht, das ist nicht richtig.“ Der Publizistik-, Poltik– und Filmwissenschaftsstudent hat Sarrazins umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ nach eigener Aussage komplett gelesen, nicht genossen und viele methodische Fehler entdeckt: „Einige Wissenschaftler haben ihm ja mittlerweile auch widersprochen. Vieles klingt einfach total angstfanatisch, und das bringt nur noch mehr Spaltung und Angst.“
Den Vorwurf, Sarrazin als hetzerisch und intolerant anzuprangern, und ihm doch selber die Meinungsfreiheit nicht zu gönnen, kontert Häußer: „Wie gesagt, wir sind nicht gegen eine Person oder Gruppe, sondern gegen eine bestimmte Grundhaltung. Während Herr Sarrazin das beste Podium im Schloss bekommt, um vor der Mainzer Elite zu sprechen, frieren wir uns draußen den Hintern ab.“
Wie viele Mainzer an diesem 2. Januar ihren Hintern in Gefahr bringen, ist nicht klar, die Stadt rechnet mit rund 200 Leuten. Mein Hintern wird definitiv einer davon sein — vielleicht trifft er bei dieser Gelegenheit ja auf euren!