Know your enemy heißt es. Und – oh ja – ich kenne meinen Feind: Es ist der Leergutautomat in meinem Stammsupermarkt. Oder besser: Er war es.
Kürzlich bin ich wieder mit einer Riesentüte voller leerer Flaschen dorthin geschlappt. Als ich durch die Tür trat, flackerte kurz die Anzeige auf. Das war der Gong zur ersten Runde, eine Herausforderung und Provokation. Denn eins ist sicher: Das ist nicht einfach eine Maschine, das ist eine lebende Kreatur. Und sie ist böse.
Ich habe mich breitbeinig vor das Ding gestellt, drohend meine 1,5-Liter-Plastikflasche erhoben und langsam in das schwarze Loch übergeben. Wichtig dabei ist, keine Schwäche, kein Zögern zu zeigen. Die Klappe schloss sich, es rappelte und rumorte, dann ein Klackern wie ein hinterhältiges Lachen und der Automat spuckte mir die Flasche vor die Füße. Erneut versenkte ich sie im Loch, doch dieses Mal krempelte ich meine Ärmel hoch und ließ meinen Bizeps spielen. Wieder flog sie heraus.
Als ich ein drittes Mal ansetzte, hörte ich ein Klicken. Die Anzeige wechselte: „Dieser Automat ist vorübergehend außer Betrieb!“ Ich warf mich gegen die Front, krallte mich an den Seiten fest, Aug in Aug mit dem Display, und knurrte. Hinter mir eine junge Frau: „Ich glaube, man kann das Leergut auch an der Kasse…“ — ich flog herum und starrte sie mit fiebrigen Augen an: „Ich habe einen Führerschein, einen akademischen Hochschulabschluss und ich habe mit Würde den Tod von Patrick Swayze überstanden – dieser Automat kriegt mich nicht klein!“
Ich schnappte meine Tüte, stellte sie draußen vor der Tür ab und rannte mit hochrotem Kopf nach Hause. Gibt es etwas Demütigenderes für einen mündigen Verbraucher, als von einer Maschine gezwungen zu werden, den Müll wieder mitzunehmen? Zu Hause band ich mir die Küchenschürze um die Stirn, schnappte meinen Schrubber und rannte zurück. Neben dem Schaufenster des Supermarktes ging ich langsam auf den Boden und robbte zur Treppe.
Ich angelte eine Flasche aus meiner Tüte. Jetzt zählte der Überraschungseffekt. Mit einem Satz stürmte ich die Stufen hinauf, die Türen öffneten sich und ich brüllte: „CARAMBAAAAAAA !!!“ Der Automat rappelte verdutzt, aber sofort schob ich die erste Flasche hinein, die zweite hinterher, die dritte folgte – das Ding wollte sich wehren, aber schon nahm ich den Stiel meines Schrubbers und stopfte laut schreiend sämtliche Flaschen in den Bauch dieses Monsters. Es rumorte und zischte, es roch verbrannt, das Display zersprang, aber das machte mich nur noch wilder. Ich hieb mit meinem Schrubber auf den Kasten ein. Plötzlich brach die Rückwand heraus, das Ding geriet in Schieflage und fiel mit einem lauten Krachen in sich zusammen.
Langsam beruhigte sich mein Puls wieder. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, nahm meinen Pfandzettel und ging nach draußen. Zufrieden blickte ich in die untergehende Sonne. Ich warf meinen Schrubber über die Schulter und ging aufrechten Schrittes durch die Neustadt nach Hause.