Die Olympischen Spiele sind vorbei. Und umgehend macht sich Verzweiflung in mir breit. Was werden wir fortan nur gemeinsam in der Redaktion im Fernsehen angucken, „Sturm der Liebe“? Wann ist der nächste große Schwimm-Wettbewerb — den ich natürlich aus rein fachlichem Interesse an der Sportart sehen möchte? Und werde ich jemals wieder von Tuvalu hören?
Tuvalu — ein Name wie Musik. Bis zum Einmarsch der Mannschaften vor zwei Wochen hatte ich nicht die leiseste Ahnung, dass es diesen winzigen Staat inmitten des Stillen Ozeans überhaupt gibt. Die acht dazugehörigen Inseln umfassen 26 Quadratkilometer Fläche, auf denen 11.000 Menschen leben. Das sind etwa so viele Einwohner wie in Weisenau.
Drei tuvalesische… tuvalusche …tuvalanische… Drei Athleten aus Tuvalu sind angetreten, völlig chancenlos beim Gewichtheben und beim 100-Meter-Lauf, aber Sieger im Wettbewerb der wunderschönsten Namen: Tua Lapua, Asenate Manoa und Tavevele Noa. Da ich ein reiselustiges Ding bin, habe ich mich auf den Seiten des Auswärtigen Amtes informiert und bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen:
- Kein Teil des Landes liegt höher als fünf Meter über dem Meeresspiegel. Ungünstig für einen Inselstaat in Zeiten der Erderwärmung, zumindest schreibt das Amt: „Experten prognostizieren den Untergang Tuvalus innerhalb der nächsten 50 Jahre.“
- Tuvalu ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie im Commonwealth of Nations. Staatsoberhaupt ist die britische Königin, die durch Generalgouverneur Iakoba Taeia Italeli vertreten wird. Das bestärkt mich in der Annahme, dass Konsonanten unter der Bevölkerung ungefähr so knapp sind wie Süßwasser.
- Seit 2002 gibt es eine asphaltierte Straße, die acht Kilometer lang ist. Da hat Weisenau mehr zu bieten.
- Die Datumsgrenze verläuft durch Tuvalu. Wenn ich heute also keinen guten Tag habe, geh‘ ich weiter nach morgen.
In völliger Euphorie habe ich ein Reisebüro in der Neustadt angerufen. Als erste Mainzerin auf Tuvalu — das wär‘ doch was! Dies ist die Unterhaltung im Wortlaut:
- Ich: „Guten Tag, ich möchte nach Tuvalu. Wie komme ich dorthin?“
- Er: „Wohin???“
- Ich: „Tuvalu, ein winziger Inselstaat in der Südsee.“
- Er: „Ach Gott, sagt mir nichts. Moment… (klappert in seinen Computer)… so eine Anfrage hat man nicht so oft… (zitiert die Anzeigen) ‚Keine Tarife verfügbar‘, das ist nicht gut.… ‚No connection‘, oh oh, gar nicht gut… ‚No Flights matching‘,… (leicht gereizt)… Kinder, was ist denn los hier…?“
- Ich: „Kommt man da nicht hin?“
- Er (voller Inbrunst): „Aber klar kommt man irgendwie nach Tuvalu, wir kommen schließlich bis zum Mond! Moooooooment… (haut wieder in die Tasten)… da hab ich was! … Ach nee, doch nicht…“
Um’s kurz zu machen: Der nette Mann vom Reisebüro und sein Buchungssystem sowie ich und mein Heimcomputer haben zu viert Folgendes herausgefunden: Man kann wohl von Frankfurt nach Auckland reisen, von Auckland nach Fiji und von dort geht zwei Mal pro Woche ein Flieger in die Hauptstadt von Tuvalu. Leider übersteigt das alles meine zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Diejenigen, die es wirklich wagen wollen, kontaktieren am besten zuerst das Tourismusbüro mit dem passenden Namen Timeless und dann Air Fiji, Tel. (679) 3315055. Schreibt mir eine Karte!