Saures, ganz Saures gibt es dieses Jahr von mir zu Halloween. Ich bin diesen ganzen Ami-Quatsch, der immer mehr auch Mainz und Rheinhessen überschwemmt, nämlich leid — und schlage zurück.
Ich habe mir zwei Handlungsalternativen überlegt:
1. Es klingelt. Ich öffne die Tür. Während das konsum– und schokosüchtige Kind mit großen Augen und Totenschädel auf dem Shirt ruft: „Süßes oder Saures?!“ beuge ich mich wohlwollend herab und hebe den Zeigefinger: „Mein liebes Kind“, sage ich. „Du bist das Opfer der stetig voranschreitenden Amerikanisierung des guten alten Europas und unverschuldet in eine Kommerzialisierungsspirale geraten, befreie dich!“.
Völlig egal, ob’s stimmt, das Balg kann mir das Gegenteil eh nicht beweisen. Dann streiche ich ihm über den Kopf und reiche ihm mit mildem Lächeln das Buch „Ethik des Konsums“ von Peter Koslowski und Birger Priddat. Langsam schließe ich die Tür.
2. Es klingelt. Ich öffne die Tür. Während das konsum– und schokosüchtige Kind mit großen Augen und Totenschädel auf dem Shirt ruft: „Süßes oder Saures?!“ rücke ich meinen 05-Schal zurecht. „Ei Bub“, sage ich. „Besinn‘ disch uff dei Worzele!“ Ich schenke mir einen Schluck vom Riesling nach, gehe in die Hocke und drücke dem Knirps ein Stück Fleischwurst in die Hand. Mit fröhlichem Lachen schließe ich die Tür.
Falls ihr ebenfalls Ideen habt, bin ich ganz Ohr. Ansonsten: Bleibt standhaft! Keine Macht für Halloween!