Für Silvesterkinder und andere Randerscheinungen http://silvesterkind.posterous.com Most recent posts at Für Silvesterkinder und andere Randerscheinungen posterous.com Mon, 18 Feb 2013 23:15:53 -0800 Statik ist alles oder Ein Stadtmensch kauft ein http://silvesterkind.posterous.com/statik-ist-alles-oder-ein-stadtmensch-kauft-e http://silvesterkind.posterous.com/statik-ist-alles-oder-ein-stadtmensch-kauft-e

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Ein­kau­fen ist nichts für Weich­eier. Man muss stark und schlau sein und Ahnung von Sta­tik haben. Denn selbst­ver­ständ­lich schreibt man sich als toug­her, moder­ner, stets spon­ta­ner Stadt­mensch, der alles im Leben läs­sig und ganz neben­bei orga­ni­siert, kei­nen Ein­kaufs­zet­tel und man nimmt auch kei­nen Einkaufswagen.

Das Ganze funk­tio­niert so: Ich betrete den Markt. Ich nehme eine Packung Trau­ben­saft, drei Fla­schen Was­ser, drei Gemü­se­kon­ser­ven, ein Bund Sup­pen­ge­müse und einen gro­ßen Beu­tel Karot­ten auf den lin­ken Arm. Ums rechte Hand­ge­lenk hänge ich mir einen 2,5-Kilo-Sack Kar­tof­feln, ums linke ein Säck­chen Zwie­beln. Die Bana­nen ver­staue ich in mei­nen Hosen­ta­schen. Dann wird’s schwie­rig. Aus Man­gel an Alter­na­ti­ven ste­cke ich mir die drei Oran­gen kur­zer­hand in den Aus­schnitt. Und das gefro­rene Kai­ser­ge­müse? Unters Kinn klem­men? Gibt Frost­beu­len, also lege ich den Beu­tel in meine Kapuze.

So lang­sam pocht mein lin­ker Ell­bo­gen und die Hand­ge­lenke wer­den taub, aber das Päck­chen Milch muss noch mit, der Camem­bert und der Spun­de­käs. Als ich gerade zum Joghurt grei­fen will, rem­pelt mich jemand an. Das Kon­strukt auf mei­nem Arm schwankt gefähr­lich. Ich springe in die Kühl­theke und bringe die Lebens­mit­tel zwi­schen mir und der Rück­wand zur Ruhe. Dabei schramme ich mir die Fin­ger an den Ver­pa­ckun­gen auf und mein rech­ter Fuß lan­det in einem hal­ben Liter But­ter­milch. Mitt­ler­weile läuft mir Kon­dens­was­ser vom Kai­ser­ge­müse den Rücken hin­un­ter und ich schwitze.

Als ich kla­ckernd den Gang ent­lang­hum­pele, sehe ich sie: eine Fami­li­en­pa­ckung Leb­ku­chen­her­zen! Die muss mit! Ich packe sie oben drauf und nehme ab sofort nur noch Men­schen ab 1,90 Meter wahr. Ich biege in Rich­tung Kasse ab, bekomme die Kurve aber nicht ganz. Hin­ter mir höre ich noch Klo­pa­pier von einer Palette fal­len, bevor ich mir die Schien­beine an den Eimern mit Schnitt­blu­men stoße. Was­ser schwappt tsu­na­mi­ar­tig über den Gang und ich schlit­tere unauf­halt­sam Rich­tung Kasse.

Gerade recht­zei­tig knalle ich ans För­der­band, da ver­liert mein Ein­kauf­sturm end­gül­tig die Con­ten­ance und ergießt sich in Rich­tung Scan­ner. Was für ein Auf­tritt! Ich gra­tu­liere mir laut­stark zu die­sem pefek­ten Timing, tän­zele präch­tig gelaunt hin und her und will mit der Kas­sie­re­rin abklat­schen, aber die Frau guckt komisch. Ach ja, par­don: Ich hole das auf­ge­weichte Kai­ser­ge­müse aus der Kapuze und lasse die Oran­gen unterm T-Shirt herauskullern.

Zuhause ver­staue ich meine Beute und wasche mir den Schweiß vom Kör­per. Ich ver­binde meine Wun­den und putze die ange­trock­nete But­ter­milch vom Schuh. Ich bin erschöpft, aber ich bin auch glück­lich. Denn so kauft ein Stadt­mensch ein. So. Und nicht anders.

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Sat, 26 Jan 2013 02:25:07 -0800 Kenne deinen Feind! http://silvesterkind.posterous.com/bbj http://silvesterkind.posterous.com/bbj

Pfand
Know your enemy heißt es. Und – oh ja – ich kenne mei­nen Feind: Es ist der Leer­gut­au­to­mat in mei­nem Stamm­su­per­markt. Oder bes­ser: Er war es.

Kürz­lich bin ich wie­der mit einer Rie­sen­tüte vol­ler lee­rer Fla­schen dort­hin geschlappt. Als ich durch die Tür trat, fla­ckerte kurz die Anzeige auf. Das war der Gong zur ers­ten Runde, eine Her­aus­for­de­rung und Pro­vo­ka­tion. Denn eins ist sicher: Das ist nicht ein­fach eine Maschine, das ist eine lebende Krea­tur. Und sie ist böse.

Ich habe mich breit­bei­nig vor das Ding gestellt, dro­hend meine 1,5-Liter-Plastikflasche erho­ben und lang­sam in das schwarze Loch über­ge­ben. Wich­tig dabei ist, keine Schwä­che, kein Zögern zu zei­gen. Die Klappe schloss sich, es rap­pelte und rumorte, dann ein Kla­ckern wie ein hin­ter­häl­ti­ges Lachen und der Auto­mat spuckte mir die Fla­sche vor die Füße. Erneut ver­senkte ich sie im Loch, doch die­ses Mal krem­pelte ich meine Ärmel hoch und ließ mei­nen Bizeps spie­len. Wie­der flog sie heraus.

Als ich ein drit­tes Mal ansetzte, hörte ich ein Kli­cken. Die Anzeige wech­selte: „Die­ser Auto­mat ist vor­über­ge­hend außer Betrieb!“ Ich warf mich gegen die Front, krallte mich an den Sei­ten fest, Aug in Aug mit dem Dis­play, und knurrte. Hin­ter mir eine junge Frau: „Ich glaube, man kann das Leer­gut auch an der Kasse…“ — ich flog herum und starrte sie mit fieb­ri­gen Augen an: „Ich habe einen Füh­rer­schein, einen aka­de­mi­schen Hoch­schul­ab­schluss und ich habe mit Würde den Tod von Patrick Swayze über­stan­den – die­ser Auto­mat kriegt mich nicht klein!“

Ich schnappte meine Tüte, stellte sie drau­ßen vor der Tür ab und rannte mit hoch­ro­tem Kopf nach Hause. Gibt es etwas Demü­ti­gen­de­res für einen mün­di­gen Ver­brau­cher, als von einer Maschine gezwun­gen zu wer­den, den Müll wie­der mit­zu­neh­men? Zu Hause band ich mir die Küchen­schürze um die Stirn, schnappte mei­nen Schrub­ber und rannte zurück. Neben dem Schau­fens­ter des Super­mark­tes ging ich lang­sam auf den Boden und robbte zur Treppe.

Ich angelte eine Fla­sche aus mei­ner Tüte. Jetzt zählte der Über­ra­schungs­ef­fekt. Mit einem Satz stürmte ich die Stu­fen hin­auf, die Türen öffne­ten sich und ich brüllte: „CARAMBAAAAAAA !!!“ Der Auto­mat rap­pelte ver­dutzt, aber sofort schob ich die erste Fla­sche hin­ein, die zweite hin­ter­her, die dritte folgte – das Ding wollte sich weh­ren, aber schon nahm ich den Stiel mei­nes Schrub­bers und stopfte laut schrei­end sämt­li­che Fla­schen in den Bauch die­ses Mons­ters. Es rumorte und zischte, es roch ver­brannt, das Dis­play zer­sprang, aber das machte mich nur noch wil­der. Ich hieb mit mei­nem Schrub­ber auf den Kas­ten ein. Plötz­lich brach die Rück­wand her­aus, das Ding geriet in Schief­lage und fiel mit einem lau­ten Kra­chen in sich zusammen.

Lang­sam beru­higte sich mein Puls wie­der. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, nahm mei­nen Pfand­zet­tel und ging nach drau­ßen. Zufrie­den blickte ich in die unter­ge­hende Sonne. Ich warf mei­nen Schrub­ber über die Schul­ter und ging auf­rech­ten Schrit­tes durch die Neu­stadt nach Hause.

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Wed, 23 Jan 2013 23:41:37 -0800 Die Erotik des Eierpunschs http://silvesterkind.posterous.com/die-erotik-des-eierpunschs http://silvesterkind.posterous.com/die-erotik-des-eierpunschs

Ei2
Schlie­ßt die Augen. Atmet tief ein. Legt den Kopf in den Nacken und sagt „Eier­punsch“. Ist das nicht wun­der­voll? Die­ser Klang: „Eier­punsch“. Wie man mit­ten im Wort die Lip­pen zum „P“ spitzt und das „unsch“ zärt­lich in die Win­ter­welt haucht. Oh, Eierpunsch!

Dass im Winter deutlich mehr Menschen dem Glüh­wein hul­digen, ist mir nur recht. Sol­len sie doch, ich liebe eben Eier­punsch und ertrage den Spott der fehl­ge­lei­te­ten Masse mit dem Stolz einer Wissenden.

Kaum habe ich mei­nen Eierpunsch mit dem kecken weißen Häubchen in den Händen, macht sich Auf­re­gung in mir breit. Da macht sich eine Sah­ne­flo­cke davon, da eine andere. Schnell mit der Zunge hin­ter­her. Rasch den wider­spens­ti­gen Stroh­halm gezähmt und sau­gen, sau­gen. Eine gewal­tige Welle rollt über meine Zunge, süß und ener­ge­tisch, kraft­voll, unauf­halt­sam die Kehle hinab, jede Zelle mei­nes Kör­pers tanzt. Ich ent­lasse den Halm in die Frei­heit und atme die kalte Winterluft ein, um mei­nen galop­pie­ren­den Puls zu beru­hi­gen. Das Blut rauscht durch mei­nen Kör­per, meine Zunge ist noch ganz taub.

Das ist das pure Glück. In die­sem Moment bin ich ganz Eierpunsch.

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Sat, 19 Jan 2013 23:49:00 -0800 Deo ist gut - so gut? http://silvesterkind.posterous.com/deo-ist-gut-so-gut http://silvesterkind.posterous.com/deo-ist-gut-so-gut

Deo
Ich hab‘ mir Deo gekauft. Beim Deo bin ich — wie bei­spiels­weise auch in Punkto Zahn­arzt, Gynä­ko­loge und Lieb­lings­win­zer — sehr treu. Ich kaufe immer den glei­chen klei­nen Rollstift.

Wäh­rend ich also in einer Dro­ge­rie auf der Suche nach mei­ner bevor­zug­ten Marke bin, trifft es mich wie ein Schlag auf den Kopf: Vor mir sehe ich ein Män­ner­deo mit dem Auf­druck „96 non­stop“. Ich bin beun­ru­higt, nehme eine Dose und über­prüfe meine Befürch­tung. Tat­säch­lich. Die 96 steht für angeb­lich 96 Stun­den Deo­schutz. Män­ner, ihr ver­lasst euch doch hof­fent­lich nicht vier Tage lang auf die Wir­kung eines Sprays. Ihr wascht euch doch inner­halb die­ser Zeit­spanne auch mal. Oder? Oder?

Ich stehe am Regal, halte die Dose der Ver­käu­fe­rin hin und frage, ob das häu­fig ver­kauft wird. „Och, geht so, nor­mal“, sagt sie und ver­steht über­haupt nicht die Bedeu­tung mei­ner Frage. In die­ser Stadt leben rund 200.000 Men­schen, davon grob geschätzt die Hälfte Män­ner, macht 200.000 männ­li­che Ach­sel­höh­len. Mir wird schwindelig.

Ich zahle mei­nen klei­nen Deo­stift, gedacht zur täg­li­chen Ver­wen­dung, und ver­lasse die Dro­ge­rie. Am Ein­gang kom­men mir zwei Ach­sel­höh­len ent­ge­gen. Schrei­end springe ich zur Seite und halte mein Deo wie ein geweih­tes Kreuz vor mich. Jetzt springt der Mann zur Seite, sicht­lich in Panik. Ich hoffe, sein Deo hält.

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Fri, 21 Dec 2012 23:41:00 -0800 Der kleine Lord kommt - Achtung, dies ist keine Übung! http://silvesterkind.posterous.com/der-kleine-lord-kommt-achtung-dies-ist-keine http://silvesterkind.posterous.com/der-kleine-lord-kommt-achtung-dies-ist-keine

Wenn man sich auf eins im Leben ver­las­sen kann, dann aufs Fern­seh­pro­gramm an Weih­nach­ten. „ Drei Hasel­nüsse für Aschen­brö­del“, „Die Hop­pens­tedts“ oder „Töd­li­che Weihnachten“ – alles Klas­si­ker, die zum Fest gehö­ren, wie Sissi zu Franz. Nur einer gehört da nicht hin: Der kleine Lord. Weg mit die­sem Besserwisser und sei­ner blon­den Helm-Frisur! Wann kom­men die Pro­gramm­ge­stal­ter end­lich zur Ver­nunft? Das ZDF schafft seine wun­der­vol­len Weih­nachts­se­rien ab, aber Lord Faun­tel­leray… Foun­daa­ba­doy… das schlecht fri­sierte Kind mit dem schlim­men Namen läuft ohne Unter­lass!

Das kön­nen wir uns nicht län­ger gefal­len las­sen. Weh­rt euch, macht euch bereit für den Ernst­fall! Falls sich die Fehl­ge­lei­te­ten in eurer Fami­lie durch­set­zen kön­nen und den klei­nen Lord ein­schal­ten, dann emp­fehle ich fol­gen­des Vor­ge­hen: Besor­gt euch schon vorab eine DVD des Films „Das Dorf der Ver­damm­ten“, und zwar den alten von Wolf Rilla. Ihr wis­st schon, das ist der, in dem all die klei­nen Kin­der­lein mit blon­den Helm-Frisuren in Wahr­heit böse Ali­ens sind.

Täu­scht ein Nicker­chen vor und beob­ach­tet eure Ver­wandt­schaft. Wenn die vor Rüh­rung fast ver­geht, die Augen feucht und die Sofa­kis­sen ans Herz gedrückt wer­den, dann kommt euer Moment: Schal­tet heim­lich auf den DVD-Player um – aber nur für eine Sekunde! Wie­der­ho­lt die­sen gue­ril­laar­ti­gen Vor­stoß in kur­zen Abstän­den. Es ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung, dass die bösen Ali­en­kin­der aus dem Hor­ror­strei­fen von 1960 nur für einen Moment zu sehen sind. Eure Fami­lie soll die Atta­cke ja nicht als sol­che begrei­fen, son­dern sie soll eine Sekunde des Hor­rors erle­ben, soll den Samen des Zwei­fels empfangen.

Ich garan­tiere: Die­ser Samen wird wach­sen und gedei­hen und spä­tes­tens im nächs­ten Jahr wird vom klei­nen Lord in ihrem Wohn­zim­mer nichts mehr zu sehen sein. Auf eine fröh­li­che Weihnacht – 2013!

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Thu, 22 Nov 2012 23:40:00 -0800 Wenn meinereiner eine Reise tut... http://silvesterkind.posterous.com/wenn-meinereiner-eine-reise-tut http://silvesterkind.posterous.com/wenn-meinereiner-eine-reise-tut

Unbenannt
Gerade komme ich aus dem Urlaub zurück. Ich war in Sri Lanka — und ich habe es über­lebt. Glück gehabt. Ich liebe Rei­sen, egal wohin: Ruck­sack­tour durch Indien, Städ­te­trip nach Dub­lin, Auto­fahrt durchs Elsass. Aber ich bin mir der Gefah­ren wohl bewusst. Beson­ders einer: Tollwut.

Sobald ich die Lan­des­gren­zen von Rheinland-Pfalz über­schrit­ten habe, lebe ich in der stän­di­gen Angst, Toll­wut zu krie­gen. Das Schlimme ist, ich liebe Tiere. Vor allem die ver­däch­ti­gen wie Strand­hunde und streu­nende Kat­zen. Es ist immer das­selbe Spiel: Das Tier streicht um meine Beine, ich streichle es, das Tier läuft weg, ich schreie: „Oh Scheiße, ich krieg‘ Toll­wut!“ und meine Rei­se­beglei­tung — nen­nen wir sie mal Andrea — rollt mit den Augen: „Nicht schon wieder…“Vor Jah­ren war ich in Thai­land. Am Strand von Kho Chang habe ich einen Hund gestrei­chelt, der mir über die Hand geleckt hat. Alaaarm! Selbst wenn man nur eine kleine Wunde an der Hand hat, kann das bei einem infi­zier­ten Tier schon aus­rei­chen für eine Über­tra­gung. Ich bin zu unse­rer Strand­hütte gerannt, hab mir in hel­ler Auf­re­gung die Fin­ger geschrubbt und des­i­ni­fi­ziert. Der­weil lag meine Freun­din — nen­nen wir sie Marion — drau­ßen mit dem Hund am Strand und hat sich nicht mal mehr gewun­dert. Als wir wie­der zu Hause waren, habe ich das nahe gele­gene DRK-Krankenhaus ange­ru­fen. Ich habe dem Mann am Tele­fon die Lage geschil­dert. Erst war Stille in der Lei­tung, dann ant­wor­tete er ganz lang­sam und in sehr ruhi­gem Ton­fall: „Tut mir leid, aber für Gegen­maß­nah­men ist es jetzt zu spät. Ich kann nichts mehr für Sie tun!“

Vor dem nächs­ten Urlaub bin ich wegen einer Toll­wut­imp­fung zum Arzt. Das Mit­tel musste ich mir in der Apo­theke holen. Ich war damals in drei Apo­the­ken in der Main­zer Neu­stadt, jede hätte mir das Mit­tel erst bestel­len müs­sen. Aller­dings war ich etwas knapp dran und das hätte dann alles nicht mehr bis zu mei­nem Urlaubs­be­ginn hin­ge­hauen. Als ich aus der drit­ten Apo­theke raus bin, habe ich die Che­fin noch zu ihrer Ange­stell­ten sagen hören, dass das gerade echt sel­ten war und dass sie die­sen Impf­stoff irgend­wann zu Anfang des Jahr­tau­sends zum letz­ten Mal bestellt habe — für einen Tier­arzt. Ich habe das Rezept zer­ris­sen. Der Urlaub in Süd­afrika lief ab wie zu erwar­ten und meine Freun­din — nen­nen wir sie Julia — erzählt heute noch gern auf Par­tys von den Reak­tio­nen der Hos­tel­be­trei­ber, wenn ich gefragt habe, ob ihre Tiere gegen Toll­wut geimpft seien.

Vor etwa drei Jah­ren habe ich mich nun tat­säch­lich gegen Toll­wut imp­fen las­sen. In Sicher­heit wie­gen kann ich mich des­we­gen aber nicht. Falls jetzt wie­der ein Ver­dacht besteht, dann muss ich trotz Imp­fung schnells­tens zum Arzt. Meine Freun­din­nen soll­ten also nicht zu ent­spannt sein…

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Sun, 12 Aug 2012 23:47:00 -0700 Bye-bye Tuvalu! http://silvesterkind.posterous.com/bye-bye-tuvalu http://silvesterkind.posterous.com/bye-bye-tuvalu

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Die Olym­pi­schen Spiele sind vor­bei. Und umge­hend macht sich Ver­zweif­lung in mir breit. Was wer­den wir fortan nur gemein­sam in der Redak­tion im Fern­se­hen angu­cken, „Sturm der Liebe“? Wann ist der nächste große Schwimm-Wettbewerb — den ich natür­lich aus rein fach­li­chem Inter­esse an der Sport­art sehen möchte? Und werde ich jemals wie­der von Tuvalu hören?

Tuvalu — ein Name wie Musik. Bis zum Ein­marsch der Mann­schaf­ten vor zwei Wochen hatte ich nicht die lei­seste Ahnung, dass es die­sen win­zi­gen Staat inmit­ten des Stil­len Oze­ans über­haupt gibt. Die acht dazu­ge­hö­ri­gen Inseln umfas­sen 26 Qua­drat­ki­lo­me­ter Flä­che, auf denen 11.000 Men­schen leben. Das sind etwa so viele Ein­woh­ner wie in Weisenau.

Drei tuva­le­si­sche… tuva­lu­sche …tuvala­ni­sche… Drei Ath­le­ten aus Tuvalu sind ange­tre­ten, völ­lig chan­cen­los beim Gewicht­he­ben und beim 100-Meter-Lauf, aber Sie­ger im Wett­be­werb der wun­der­schöns­ten Namen: Tua Lapua, Ase­nate Manoa und Tave­vele Noa. Da ich ein rei­se­lus­ti­ges Ding bin, habe ich mich auf den Sei­ten des Aus­wär­ti­gen Amtes infor­miert und bin aus dem Stau­nen nicht mehr rausgekommen:

  • Kein Teil des Lan­des liegt höher als fünf Meter über dem Mee­res­spie­gel. Ungüns­tig für einen Insel­staat in Zei­ten der Erd­er­wär­mung, zumin­dest schreibt das Amt: „Exper­ten pro­gnos­ti­zie­ren den Unter­gang Tuva­lus inner­halb der nächs­ten 50 Jahre.“
  • Tuvalu ist eine parlamentarisch-demokratische Mon­ar­chie im Com­mon­wealth of Nati­ons. Staats­ober­haupt ist die bri­ti­sche Köni­gin, die durch Gene­ral­gou­ver­neur Iakoba Taeia Ita­leli ver­tre­ten wird. Das bestärkt mich in der Annahme, dass Kon­so­nan­ten unter der Bevöl­ke­rung unge­fähr so knapp sind wie Süß­was­ser.
  • Seit 2002 gibt es eine asphal­tierte Straße, die acht Kilo­me­ter lang ist. Da hat Wei­senau mehr zu bieten.
  • Die Datums­grenze ver­läuft durch Tuvalu. Wenn ich heute also kei­nen guten Tag habe, geh‘ ich wei­ter nach morgen.

In völ­li­ger Eupho­rie habe ich ein Rei­se­büro in der Neu­stadt ange­ru­fen. Als erste Main­ze­rin auf Tuvalu — das wär‘ doch was! Dies ist die Unter­hal­tung im Wortlaut:

  • Ich: „Guten Tag, ich möchte nach Tuvalu. Wie komme ich dorthin?“
  • Er: „Wohin???“
  • Ich: „Tuvalu, ein win­zi­ger Insel­staat in der Südsee.“
  • Er: „Ach Gott, sagt mir nichts. Moment… (klap­pert in sei­nen Com­pu­ter)… so eine Anfrage hat man nicht so oft… (zitiert die Anzei­gen) ‚Keine Tarife ver­füg­bar‘, das ist nicht gut.… ‚No con­nec­tion‘, oh oh, gar nicht gut… ‚No Flights matching‘,… (leicht gereizt)… Kin­der, was ist denn los hier…?“
  • Ich: „Kommt man da nicht hin?“
  • Er (vol­ler Inbrunst): „Aber klar kommt man irgend­wie nach Tuvalu, wir kom­men schließ­lich bis zum Mond! Mooooooo­ment… (haut wie­der in die Tas­ten)… da hab ich was! … Ach nee, doch nicht…“

Um’s kurz zu machen: Der nette Mann vom Rei­se­büro und sein Buchungs­sys­tem sowie ich und mein Heim­com­pu­ter haben zu viert Fol­gen­des her­aus­ge­fun­den: Man kann wohl von Frank­furt nach Auck­land rei­sen, von Auck­land nach Fiji und von dort geht zwei Mal pro Woche ein Flie­ger in die Haupt­stadt von Tuvalu. Lei­der über­steigt das alles meine zeit­li­chen und finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten. Die­je­ni­gen, die es wirk­lich wagen wol­len, kon­tak­tie­ren am bes­ten zuerst das Tou­ris­mus­büro mit dem pas­sen­den Namen Tim­e­l­ess und dann Air Fiji, Tel. (679) 3315055. Schreibt mir eine Karte!

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Thu, 29 Mar 2012 23:45:00 -0700 Howgh! http://silvesterkind.posterous.com/howgh http://silvesterkind.posterous.com/howgh

Winnetou
Ich möchte mich bei mei­nen Nach­barn ent­schul­di­gen, aber es ging nicht anders. Zu Ehren des 100. Todes­ta­ges von Karl May, Mär­chen­on­kel, Klein­kri­mi­nel­ler und Bän­di­ger der Sil­ber­büchse, habe ich den Tag mit dem Kriegs­ge­heul der Kiowa begrüßt.

Ich habe um 7 Uhr meine Fens­ter geöff­net, tief ein­ge­at­met und mich zur Anlage bege­ben, meine liebste Winnetou-Hörspielplatte auf­ge­legt und den Reg­ler hoch­ge­dreht. Und noch wei­ter hoch­ge­dreht. Und die Neu­stadt beschallt. Es war wunderbar.

Ich liebe diese alten Plat­ten von „Europa“. Zum einen sind sie ehr­lich erwor­be­nes Die­bes­gut, denn ich habe sie dau­er­haft von mei­nem gro­ßen Bru­der gelie­hen. Zum ande­ren duf­ten sie nach Lager­feuer, nach Frie­dens­pfeife und totem Grizzly. „Win­ne­tou I, Folge 1″, das ist die beste von allen. „Mit Original-Indianermusik und Kriegs­tän­zen“ steht auf der Hülle, wobei mir immer noch nicht klar ist, wie genau mir eine Schall­platte Tänze ver­mit­teln will. Das Grü­beln hat jedoch ein Ende, sobald die Stimme von Old Shat­ter­hand (Michael Poel­chau) erklingt. Das ist ein Mann! Er ist als Land­ver­mes­ser unter­wegs und — ich fasse die Hand­lung zusam­men: Bär tot, Kle­kih Petra tot, Win­ne­tou von Kiowa geschnappt, Win­ne­tou heim­lich von Old Shat­ter­hand befreit, Old Shat­ter­hand von Apat­schen geschnappt — muss um sein Leben kämp­fen, weil die Apat­schen nicht wis­sen, dass er eigent­lich Win­ne­tous Ret­ter ist.

Das Beste ist der Show­down am Fluss. Häupt­ling Intschu-tschuna soll die Ehre der Apat­schen ret­ten und Old Shat­ter­hand in einem Wett­kampf schla­gen. Wenn die­ser aller­dings die Zeder vor dem India­ner erreicht, dann sind er und seine Gefähr­ten geret­tet. Der weiße Mann besteht die Prü­fung und der edle Wilde Win­ne­tou erkennt, was Old Shat­ter­hand für ein hunds­coo­ler Typ ist: „Was für ein Mann ist Old Shat­ter­hand, wer kann ihn begrei­fen? Du bist frei!“ Und dann: „Mein Bru­der Old Shat­ter­hand mag mit mir kom­men!“ Dar­auf Old Shat­ter­hand: „Es war das erste Mal, dass er mich Bru­der nannte!“ Ist das groß?!

Schrö­der hat gespro­chen, Howgh!

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Thu, 29 Mar 2012 02:49:00 -0700 Alter Schwede - Erasmus wird 25 http://silvesterkind.posterous.com/alter-schwede-erasmus-wird-25 http://silvesterkind.posterous.com/alter-schwede-erasmus-wird-25

Unbenannt3
Ich wollte nie nach Schwe­den. Schwups, ich war in Schwe­den. Som­mer 1998 bin ich für ein Jahr als Sti­pen­dia­tin des För­der­pro­gramms Eras­mus, das in die­sem Jahr 25. fei­ert, abge­rauscht nach Lund, einem Städt­chen an der Süd­spitze die­ses rie­si­gen Lan­des, das mich nicht die Bohne inter­es­siert hat. Aber wenn man so bekloppte Fächer stu­diert wie Kom­pa­ra­tis­tik und Thea­ter­wis­sen­schaft, dann sind Alter­na­ti­ven rar gesät. In mei­ner Bewer­bung für das Sti­pen­dium hatte ich von der Bedeu­tung der schwe­di­schen Thea­ter­li­te­ra­tur geschrie­ben, von mei­ner Bewun­de­rung für Strind­berg und Ibsen. Zu dumm, dass Ibsen Nor­we­ger war. Ich hab die För­de­rung den­noch erhal­ten. Die Pro­fes­so­ren haben wohl gedacht, ich hätte Hori­zont­er­wei­te­rung so nötig, wie keine andere. Dass Strind­berg nicht mein Fall ist und Ibsen tat­säch­lich ein groß­ar­ti­ger Dra­ma­ti­ker war, ist nicht das ein­zige, das ich in Schwe­den gelernt habe:

1. Fin­ger weg vom Snus! Die­ses Zeug ist vom Teu­fel gemacht. Es han­delt sich um gesal­ze­nen, stark niko­tin­hal­ti­gen Tabak, den man sich zwi­schen Ober­lippe und Zahn­fleisch steckt. Ich habe ihn ein­mal aus­pro­biert und für den Rest der Nacht das Fun­keln des Was­sers in der Klo­schüs­sel bewundert.

2. Ihr ent­wi­ckelt in Schwe­den ein neues Ver­hält­nis zum Thema Nackt­heit. Irgen­wann kommt auf einer Party der Moment, in dem sich ein Schwede die Kla­mot­ten vom Leib reisst und die Sauna eröff­net. Spä­tes­tens wenn er mit Gebrüll zum See stürzt, wäh­rend sein Prinz auf­ge­regt im Wind flat­tert, soll­tet ihr mit wogen­dem Busen hin­ter­her­sprin­gen. Mor­gen kann sich eh kei­ner erinnern.

3. Schwe­den sind schön. Aber in mei­ner klei­nen Stu­den­ten­welt waren sie alle uni­form. Als ich über Weih­nach­ten nach Hause gereist bin und auf dem Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof umstei­gen musste, hat mich die Erkennt­nis getrof­fen wie ein Schlag: Über­all Deut­sche mit komi­schen Fri­su­ren und unmög­li­chen Kla­mot­ten. Ich fand das toll: jeder häss­lich, aber auf seine Art.

4. Ler­nt Schwe­disch. Ihr wer­det euch füh­len, als wärt ihr einem Geheim­bund beige­tre­ten, denn außer euch, mir und den Schwe­den kann kaum einer Schwe­disch. Sobald ihr gebro­chen den ers­ten Kaf­fee in der neuen Spra­che ordert, wer­den euch die Schwe­den um den Hals fal­len, euch küs­sen und her­zen, weil ihr f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h Schwe­disch sprecht.

5. Noch was zur Spra­che: Lacht gern, oft und schal­lend über Stu­den­ten aus den USA. Das ist okay. Bis zum Ende mei­nes Auf­ent­halts haben es die Ame­ri­ka­ner geschafft, sich regel­mä­ßig But­ter­milch in den Kaf­fee zu schüt­ten, weil sie nicht in der Lage waren, sich auch nur drei schwe­di­sche Voka­beln zu merken.

6. Wenn die schwe­di­sche gegen die nor­we­gi­sche Eishockey-Nationalmannschaft spielt, herrscht Aus­nah­me­zu­stand. Eure Mit­be­woh­ner wer­den ein Bekennt­nis zur neuen Hei­mat ver­lan­gen und euch mit Wikin­ger­helm und blau-gelber Kriegs­be­ma­lung schmü­cken. Und wenn mal wie­der die Krankenhaus-Serie „Geis­ter“ von Lars von Trier läuft und der schwe­di­sche Arzt Stig Hel­mer eine sei­ner Hass­re­den gegen die Dänen hält, dann brül­lt ihr der Matt­scheibe zustim­mend „Zur Hölle mit ihnen!“ ent­ge­gen — auch wenn ihr in Wahr­heit die Dänen viel coo­ler findet.

7. Hage­but­ten­suppe schmeckt her­vor­ra­gend. Ren­tier­bur­ger und Elch-Kebab eben­falls. Von Sur­ström­ming sollte man die Fin­ger las­sen. Gene­rell muss man viel Zeit für gemein­same Essen ein­pla­nen. Schwe­den trin­ken und sin­gen gern. Man erwar­tet auch einen deut­schen Bei­trag. Wenn euch kein Trink­lied ein­fällt, tut es auch Nenas „99 Luft­bal­lons“. Die­ses Lied ist international.

8. Man trinkt gern einen, gern bil­lig, stark und selbst­ge­panscht. Wem an sei­nem Augen­licht liegt, der sollte lie­ber in staat­li­chen Shops ein­kau­fen, als sich nach Meis­ter Pro­per rie­chen­den Kla­ren aus Plas­tik­fla­schen rein­zu­kip­pen. Neh­mt es im Gegen­zug ein­fach hin, wenn man euch für einen Alko­ho­li­ker hält, weil ihr euch unter der Woche ein Glas Wein gön­nt. Andere Län­der, andere Sitten.

9. Aus Ver­ab­re­dun­gen wie „Mitt­woch, 13 Uhr, am Nord­kapp“ wird nichts. Ich weiß, das Nord­kapp gehört zu Nor­we­gen, aber die­ser Tipp gilt für ganz Nord­eu­ropa. Dort herr­schen andere Grö­ßen­ver­hält­nisse, Rhein­hes­sen ist für die ein Flie­gen­schiss. Meine Rei­se­gruppe ist nicht bis zum Nord­kapp gekom­men, wir haben uns in Nar­vik getrof­fen und es dann aus Zeit­grün­den dabei belassen.

10. Das schwe­di­sche Licht ist berau­schend. Nicht im süd­li­chen Lund, aber im Nor­den. Wer ein­mal in die Mit­ter­nachts­sonne geblin­zelt hat, der schwärmt für den Rest sei­nes Lebens davon. Noch fas­zi­nie­ren­der müs­sen Nord­lich­ter sein, lei­der habe ich keine gese­hen. Aber falls ihr tat­säch­lich nach Schwe­den rei­st und die­ses Glück haben soll­tet, dann den­kt mal an mich, nur ganz kurz. Tack tack!

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Wed, 07 Mar 2012 10:20:00 -0800 Rosenmontagstipps für Zugezogene http://silvesterkind.posterous.com/rosenmontagstipps-fur-zugezogene http://silvesterkind.posterous.com/rosenmontagstipps-fur-zugezogene

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Ihr seid neu in der Stadt? Und habt die ver­gan­ge­nen Wochen mit wach­sen­dem Erstau­nen eure Umge­bung beob­ach­tet? Es kommt noch dicker. Hier sind 11 Tipps für Rosenmontag:

1. Falls ihr noch über­le­gt: Die Ant­wort lau­tet Ja. Ja, ihr soll­tet euch unbe­dingt ver­klei­den. Wer das nicht tut, der erfährt das­selbe Maß an Auf­merk­sam­keit, als würde er bei der Früh­messe nackt durch den Dom ren­nen. Das Gute ist: Main­zer sind groß­zü­gig. In der Regel gilt es schon als Ver­klei­dung, wenn man Rin­gel­söck­chen trägt und die Hose hochkrempelt.

2. Äußert euch gern wohl­wol­lend zu den Kos­tü­men ande­rer. Spa­rt euch aber jeden Kom­men­tar in Rich­tung eines (ech­ten) Poli­zis­ten nach dem Motto: „Sub­bäh Kos­tüm, Gummigesicht!“

3. Ganz wich­tig: Wir fei­ern hier F-A-S-T-N-A-C-H-T. Und der dazu­ge­hö­rige Ruf heißt nicht Alaaf, Dol­lau oder Hej-Jo, son­dern Helau, gerne ein­ge­lei­tet mit „Ein drei­fach don­nern­des…“. Bei Helau guckt man ver­zückt in den Main­zer Him­mel, packt sich mit der rech­ten Hand ans Herz und wirft den Arm in die Luft. Bitte dar­auf ach­ten, dass ihr in eurem Anfän­ger­über­mut kei­nen Ran­zen­gar­dis­ten k.o. schla­gt. Die fei­ern die­ses Jahr Jubi­läum und sind daher im Zen­trum der när­ri­schen Aufmerksamkeit.

4. Noch was zur Ran­zen­garde: Wenn deren Wagen vor­bei­kommt, dann guckt mal, ob da oben einer den Ein­druck macht, er hätte die Uni­form zum ers­ten Mal an. Grü­ßt ihn ganz herz­lich, das ist mein Kol­lege Jochen Dietz!

5. Es gibt ja den berühm­ten Satz: „Ich kann auch ohne Alko­hol lus­tig sein!“ Das mag sein, der Rosen­mon­tag kann das aber nicht. Ihr soll­tet euch also den ein oder ande­ren Sekt gönnen.

6. Stink­be­sof­fen durch die Stadt fal­len, in Blu­men­beete kot­zen und in Haus­ein­gänge pin­keln ist nicht mit „den ein oder ande­ren Sekt gön­nen“ gemeint. Wer so weit ist, der hat sie ein­fach nicht mehr alle.

7. Ler­nt wich­ti­ges Lied­gut. Text­si­cher­heit wird gern gehört bei „Am Rosen­mon­tag bin ich gebo­ren“ von Mar­git Spon­hei­mer und „Im Schat­ten des Doms“ von Tho­mas Neger. Wenn ihr auf­trump­fen und eure Ver­bun­den­heit mit der neuen Hei­mat zei­gen wol­lt, dann stim­mt das Mainz-Lied von Lars Reichow an. Es wer­den Trä­nen der Rüh­rung kul­lern, aber man wird euch lieben.

8. Apro­pos lie­ben: Es ist wahr­schein­lich, dass sich ein See­bär, ein Mess­die­ner oder eine Gieß­kanne auf euch stürzt und abknutscht. Mein Tipp: Wenn die Gieß­kanne gut aus­sieht, dann macht hem­mungs­los mit. Ansons­ten sagt fol­gen­den Satz: „Ich lebe in Wies­ba­den, bin gegen Fleisch­wurst all­er­gisch und treue Anhän­ge­rin des FCK. Alaaf!“

9. Machen wir uns nix vor, der Rosen­mon­tag ist vol­ler Gefah­ren. Vor allem vol­ler brand­ge­fähr­li­cher Eltern, die jedes ein­zelne Bon­bon die­ses Zuges für ihr ver­zo­ge­nes Balg vor­ge­se­hen haben. Und da ken­nen die nix: Unzu­läs­si­ger Ein­satz von Regen­schir­men sowie Atta­cken mit Kin­der­wa­gen sind die Regel — und ganz ver­se­hent­lich fliegt auch mal ein Ell­bo­gen beim Fan­gen durch die Luft.

10. Das Wurf­ma­te­rial ist eh so eine Sache. Ja, man kriegt was umsonst, aber nicht alles, was umsonst ist, will man auch haben. Ich erin­nere mich an meh­rere Schwamm­tü­cher, brö­se­li­ges Pop­corn und abge­lau­fene Scho­ko­lade, die ihren Weg zu mir gefun­den haben. Schen­kt all die­ses über­flüs­sige Zeug ein­fach den Kin­dern, deren Eltern ihr beson­ders ner­vig fandet.

11. Rech­net mit unge­ahn­ten Schmer­zen am nächs­ten Mor­gen. Irgend­was wird euch weh tun und ihr wer­det nicht wirk­lich sagen kön­nen, warum eigent­lich. Seid froh darüber!

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Sun, 04 Mar 2012 06:33:00 -0800 Helden der Nacht http://silvesterkind.posterous.com/wg http://silvesterkind.posterous.com/wg

K

Das Grauen hat einen Namen: Seite 398. Sie ist die letzte in dem Vampirroman, den ich gerade ausgeliehen habe und ich habe sie zu Ende gelesen. Das ist so schlimm. Gerade hat Sookie Stackhouse noch die dollsten Dinger auf der großen Konferenz der Vampire erlebt und dann kommt die Seite 398. Und ich liege plötzlich wieder auf meiner Couch in der Mainzer Neustadt, wo ich doch gerade noch mit meinen Helden der Nacht und einem enorm gutgebauten Wertiger in Louisiana unterwegs war.

Ich brauche Nachschub. Ich habe schon Mitte der Woche geahnt, dass ich nicht lange brauchen würde zum Durchlesen und bin umgehend zu meinem Bücherlieferanten Nummer eins gerannt, der Anna-Seghers-Bibliothek am Hauptbahnhof. In Buchhandlungen gehe ich nicht mehr, seit die mehr Postkarten, DVDs und Geschenkartikel im Angebot haben als Bücher. Ich warte nur noch auf den Tag, dass ich dort Haftpflichtversicherungen und Grillkohle kaufen kann. Auf jeden Fall hat mich fast der Schlag getroffen, als ich im Suchsystem den Hinweis "Zentrale: Entliehen" gelesen habe. Ich hab sofort eine Angestellte gebeten, mir die gewünschten nächsten Teile der Sookie-Stackhouse-Reihe aus der Hechtsheimer Filiale zu ordern - und was sagt die? "Dauert bis Dienstag!" Meinen Hinweis, dass ich Hechtsheim in Mainz und nicht Hechtsheim in der Mongolei meinte, hat sie schlicht ignoriert.

Wie ich das durchstehen soll, ist mir ein Rätsel. Wenigstens habe ich meinen Nervenzusammenbruch diesmal vor dem Regal "Grusel/Horror" bekommen. Als ich letztes Mal einer Vampirserie verfallen war, stand ich vorm Regal "15+".

 

 

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Wed, 29 Feb 2012 03:56:00 -0800 Rette sich, wer kann: Kollegen fasten! http://silvesterkind.posterous.com/rette-sich-wer-kann-kollegen-fasten http://silvesterkind.posterous.com/rette-sich-wer-kann-kollegen-fasten

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Er hat gehus­tet, geschnieft und geschnäuzt, geniest, geräus­pert und geseufzt – die ers­ten Fas­ten­tage waren nicht leicht für mei­nen lie­ben Kol­le­gen. Das Immun­sys­tem hat die Umstel­lung offen­sicht­lich nicht ganz so gut ver­kraf­tet. Wusste ich’s doch: Diese Fas­ten­num­mer ist nicht nur unsin­nig, son­dern noch dazu brandgefährlich!

Jetzt strotzt er wie­der vor Kraft, sitzt demons­tra­tiv im T-Shirt neben mir und spricht dem Kol­le­gen am Nach­bar­tisch Mut zu. Der fas­tet näm­lich auch und – Sie ahnen es – schnieft eben­falls in bedenk­li­chem Aus­maß. Die Unter­hal­tun­gen der bei­den kann ich nur mit Erstau­nen und einem gro­ßen Stück Voll­milch­scho­ko­lade ver­fol­gen. Ihre Erkran­kun­gen bezeich­nen die Pest­schleu­dern tat­säch­lich als „Ent­gif­tung“. Die Voka­bel „tap­fer“ ist auch schon mehr­fach gefallen.

Das passt jedoch ins Bild, habe ich doch schon seit Jah­ren den Ein­druck, dass Fas­tende in eine Art kol­lek­tive geis­tige Umnach­tung fal­len. Wie in einem Geheim­bund ver­stän­di­gen sie sich in einem Code, in den man sich als Nor­mal­sterb­li­cher, der vom Schei­tel bis zur Sohle vol­ler Gift ist, nur müh­sam hin­ein­den­ken kann.

Aber was soll’s. Ich faste nicht und fühle mich top­fit. Wo ist der nächste Baum? Ich gehe jetzt zum Rhein run­ter, reiß’ einen aus und pflanze ihn dann ein­fach wie­der ein!

Foto: Harry Braun

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Sun, 12 Feb 2012 07:34:00 -0800 Schlecki-Schlamassel http://silvesterkind.posterous.com/101319017 http://silvesterkind.posterous.com/101319017

Heute wurde ich Zeuge, wie eine Beziehung nicht entstand. Pomp, 16.10 Uhr. An den Tisch neben mir setzen sich eine dunkelhäutige Schönheit und ein Mann mit Halbglatze.

Er: "Erzähl mir von Deiner Heimat!"

Sie: "Nierstein?"

Er: "Nein, wo deine Familie herkommt."

Sie: "Dort gibt's kein Bier."

Er: "Ach ... Soll ich Dir mal meine Katze zeigen? (holt sein Handy aus der Tasche) Das ist Schlecki!"

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Sun, 12 Feb 2012 07:23:00 -0800 Cofrost Arena - überlebt! http://silvesterkind.posterous.com/cofrost-arena-uberlebt http://silvesterkind.posterous.com/cofrost-arena-uberlebt

Ein Paar Strümpfe, dar­über gestrickte Knie­strümpfe, gefüt­terte halb­hohe Stie­fel, Leggins, Jeans, Unter­hemd, Pulli, Kapu­zen­pulli, Win­ter­ja­cke mit Kapuze, Mütze, Schal, Hand­schuhe — das war mein Out­fit für den Be­such der Cofrost Arena - Pardon: Coface Arena - beim Spiel Mainz 05 gegen Hannover 96.

Frost
Meine Arme stan­den vor lau­ter Stoff im rech­ten Win­kel vom Kör­per weg, allein mein Kopf hatte den Umfang eines Medi­zin­balls. In den Shut­tle­bus habe ich nur gepasst, weil von hin­ten einer gedrückt hat. Ich sah scheiße aus. Und den­noch: Dass wir kurz vor Abpfiff den Aus­gleich kas­siert haben, ist fast egal, ich zähle näm­lich trotz­dem zu den Gewin­nern die­ses Spiels: Ich habe überlebt!

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Thu, 19 Jan 2012 23:52:00 -0800 Anleitung zum Abhängen http://silvesterkind.posterous.com/anleitung-zum-abhangen http://silvesterkind.posterous.com/anleitung-zum-abhangen

Foto-300x224
Ich hab’s mal wie­der getan: Nix. Ich hatte vier Tage frei, die ich aus­schließ­lich mit Rum­hän­gen ver­bracht habe. Und es war groß­ar­tig. All den Über­le­gun­gen und Zwän­gen und Kom­men­ta­ren aus mei­nem Umfeld im Sinne von „Du könn­test doch…“, „Du soll­test mal…“, „Du müss­test unbe­dingt…“ habe ich wider­stan­den. Ich habe im Geiste meine rechte Hand erho­ben, die Hand­flä­che zu mir gewandt, eine Faust geballt und mei­nem Mit­tel­fin­ger viel Raum zur Ent­fal­tung gege­ben. Lasst mich alle in Ruhe mit eurem Stress, ich häng‘ jetzt ein­fach ab!

Seit ich einst einen Arti­kel in der Zeit gele­sen habe, wie enorm wich­tig Lan­ge­weile für Intel­li­genz und Krea­ti­vi­tät ist, pflege ich regel­mä­ßig das unge­hemmte Nix­tun. Es funk­tio­niert! Ich möchte sogar noch wei­ter gehen: Rum­hän­gen macht schön und trägt zum Welt­frie­den bei.

Man muss sich natür­lich vor­be­rei­ten aufs Rum­hän­gen und vor­her viele Getränke ein­kau­fen. Man sollte legere Klei­dung tra­gen, in der man schla­fen, aber auch dem Piz­za­bo­ten öffnen kann. DVDs und Bücher sind nur in Maßen erlaubt. Denn am bes­ten sin­niert man ein­fach, schaut aus dem Fens­ter oder beob­ach­tet, wie sich die Woll­mäuse im Wohn­zim­mer demo­kra­tisch organisieren.

Nahezu ganz von selbst ist mir in die­ser Zeit ein­ge­fal­len, wie ich ein kniff­li­ges Com­pu­ter­pro­blem lösen kann: Ich rufe ein­fach mei­nen Kol­le­gen in Koblenz an (INTELLIGENZ!). Meine Haut wurde im sel­ben Moment zart und rosig (SCHÖNHEIT!). Dann sind mir viele tolle Sachen ein­ge­fal­len, die ich dem­nächst machen könnte (KREATIVITÄT!). Zum Bei­spiel die­sen Text schrei­ben. Das muss man sich aber vor­neh­men, man darf nicht sofort los­le­gen und das Rum­hän­gen damit been­den. Ich habe also einen lee­ren Piz­zakar­ton in Rich­tung Haus­tür geschleu­dert und dar­auf gehofft, dass ich mich an die Blo­g­idee erin­nere, wenn ich vor mei­nem nächs­ten Arbeits­tag den Kar­ton an der Tür wie­der­finde. Wie Sie sehen, hat’s geklappt.

Als ich übri­gens letz­tes Mal so rich­tig rum­ge­han­gen habe, hatte ich die Idee, dass ich mei­nen Bal­kon toll bepflan­zen könnte. Habe ich dann auch gemacht, als ich wie­der in der akti­ven Phase war. Ich habe gegärt­nert wie ver­rückt und mich dabei noch mit den Amei­sen auf mei­nen Stief­müt­ter­chen ange­freun­det. Und den gan­zen Spät­som­mer über konnte ich die Früchte mei­nes Tuns ern­ten: Die Cock­tail­to­ma­ten sind super gewach­sen und bei jeder Ernte hab ich mit den Amei­sen geplau­dert. Ich habe mich also mit frem­den Völ­kern ange­freun­det und mir neue Nah­rungs­quel­len erschlos­sen. Mit ande­ren Wor­ten: Ich bin eine Bot­schaf­te­rin des FRIEDENS gewor­den. Dem Rum­hän­gen sei Dank!

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Mon, 16 Jan 2012 12:47:00 -0800 Macht sie fertig: Weg mit den Schneeengeln! http://silvesterkind.posterous.com/macht-sie-fertig-weg-mit-den-schneeengeln http://silvesterkind.posterous.com/macht-sie-fertig-weg-mit-den-schneeengeln

Damit das ganz klar ist: Ja, das ist ein Auf­ruf zur Gewalt. Opfer: die Schnee­en­gel. Motiv: Ich kann nicht län­ger mit anse­hen, wie sich meine Mit­men­schen hem­mungs­los in den Schnee wer­fen und debil mit Armen und Bei­nen wackeln.

Ver­ste­ht mich nicht falsch: Ich finde es völ­lig okay, wenn Kin­der das tun. Kin­der essen Regen­wür­mer und glau­ben an den Oster­ha­sen – da kön­nen sie von mir aus auch Schnee­en­gel toll fin­den. Aber erwach­sene Men­schen sol­len bitte schön die Con­ten­ance bewahren.

Seit heute Nacht ist ja Win­ter. Gefühlt jeden­falls, denn es hat ein paar Flo­cken auf Main­zer Gas­sen geweht. Kaum gucke ich heute Mor­gen aus dem Fens­ter, wirft sich auch schon der erste Pas­sant auf den Bür­ger­steig und wedelt sich einen. Mit­ten in der Neu­stadt! Das hat er aber bereut: Patsch­nass und total dre­ckig war der hinterher!

In die­sem noch jun­gen Win­ter bemerke ich einen deut­li­chen Hang zu infan­ti­lem Ver­hal­ten. Das beginnt bei der Klei­dung: Ist euch mal auf­ge­fal­len, wie viele Men­schen Faust­hand­schuhe tra­gen? In Rosa, Pink und mit Tie­ren drauf, so wel­che, die man anein­an­der­bin­den kann? Das geht doch nicht! Als Erwach­se­ner braucht man Hand­schuhe, mit denen man läs­sig meh­rere Glüh­wein­tas­sen balan­cie­ren und beim Auto­fah­ren ande­ren den Stin­ke­fin­ger zei­gen kann. Habt ihr das mal mit Fäust­lin­gen versucht?

Noch so was: Schlit­ten fah­ren. Kaum fal­len die ers­ten Flo­cken, da pat­schen auch schon die ers­ten freu­dig quie­kend wie kleine See­hunde die Flos­sen anein­an­der. Da mache ich nicht mit. Ich bin näm­lich schon mehr als acht Jahre alt!

Ich kann nur hof­fen, dass ihr trotz des Schnees die Fas­sung bewah­rt. Toi, toi, toi!

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Thu, 27 Oct 2011 09:33:00 -0700 Klingeling, weg da! http://silvesterkind.posterous.com/klingeling-weg-da http://silvesterkind.posterous.com/klingeling-weg-da

Rad2
Was man als Rad­ler in die­ser Stadt mit­macht, ist nicht län­ger zu ertra­gen. Die geballte Frech­heit des Main­zer Fuß– und Auto­volks zeigt sich täg­lich in solch infa­mer Weise, dass ich einen klei­nen Leit­fa­den in Sachen Stra­ßen­kampf für radelnde Brü­der und Schwes­tern erar­bei­tet habe.

1. Wenn ein Fuß­gän­ger auf einem mar­kier­ten Rad­weg her­um­schlen­dert, dann ist er als vogel­frei anzu­se­hen. Ich emp­fehle als Jagd­route die Große Blei­che. Auf­grund zahl­rei­cher Bus­hal­te­stel­len und Shops mei­nen die Zwei­bei­ner offen­bar, sie wären die Chefs im Revier. Hah! Oder bes­ser Halali! Mein Tipp: Am Ernst-Ludwig-Platz ein­bie­gen, auf die nächste Grün­phase war­ten und dann wie ver­rückt in die Pedale tre­ten. Wäh­rend ihr dahin­fliegt, soll­tet ihr kräf­tig ins Jagd­horn bla­sen. Die Fuß­gän­ger wer­den angst­pup­send vor euch weg­sprin­gen wie kleine Häs­chen und sich nie wie­der in euer Radweg-Revier trauen!

2. Auch ihr habt ein Recht auf Park­plätze. Man ver­wei­gert es euch? Dann nehmt es euch! Wich­tig ist, dass ihr euch in der Nach­bar­schaft in klei­nen, eigen­stän­dig ope­rie­ren­den Guerilla-Einheiten orga­ni­siert. Bleibt dabei immer unauf­fäl­lig, Jeans und Turn­schuhe sind Kampf­an­zug und Mili­tär­stie­feln vor­zu­zie­hen. Ziel sind nade­listich­ar­tige Vor­stöße, die den Geg­ner lang­sam und qual­voll zer­mür­ben. Mein Tipp: Sobald wie­der mal eine dicke Karre dort parkt, wo eigent­lich ein hüb­sches Plätz­chen für eure Räder wäre, dann ver­sam­melt ihr euch in den umlie­gen­den Häu­sern und fahrt gezielte Was­ser­bom­ben­at­ta­cken aus dem Hin­ter­halt. So schnell könnt ihr nicht nach­la­den, wie der Automensch mit sei­ner Karre auf und davon ist.

3. Ver­tei­digt euer Recht in Ein­bahn­stra­ßen. Vor allem im Blei­chen­vier­tel und in der Neu­stadt gibt es etli­che, in denen Rad­lern beide Fahrt­rich­tun­gen erlaubt sind. Das wol­len die Blech­an­trei­ber aber par­tout nicht kapie­ren. Ihr wer­det die Situa­tion ken­nen: Frau­en­lob­straße, 12 Uhr mit­tags, der West­wind weht einen Dorn­busch hin­aus in die Prä­rie, vom Fluss her ertönt das Jau­len eines ein­sa­men Kojo­ten. Ihr kommt gerade von der Bopp­st­raße, wäh­rend unten eine gewal­tige Karosse ein­biegt. Diese Straße ist defi­ni­tiv zu klein für euch zwei. Mein Tipp: Berei­tet euch auf die­ses Duell vor. Auf den Gepäck­trä­ger gehört ein Dis­co­ne­bel­wer­fer, Bul­len­hör­ner an das Lenk­rad, Ket­tenöl ins Gesicht. Wäh­rend der Automensch noch mit sei­nem klei­nen Gehirn ver­sucht, die Situa­tion ein­zu­schät­zen, zieht ihr euren Knallblättchen-Colt und hetzt auf eurem treuen Gefähr­ten die Frau­en­lob­straße hin­un­ter. Der Blech­mann wird nicht lange fackeln, den Rück­wärts­gang rein­ja­gen und euch das Feld überlassen.

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Wed, 29 Jun 2011 02:43:00 -0700 Das F-Wort http://silvesterkind.posterous.com/das-f-wort http://silvesterkind.posterous.com/das-f-wort

Schnell, zie­ht eure Kin­der vom Bild­schirm weg, jetzt kommt das F-Wort: Fuß­ball, par­don, Frauen. Ach, nee nee, Quatsch, Femi­nis­mus. Ich schwör’s, ich bin nicht radikal-toter-mann-guter-mann-feministisch:

  • Seit ich eigen­stän­dig über meine Gar­de­robe ent­schei­den kann, trage ich keine Latz­ho­sen mehr.
  • Ich habe als Kind „Wendy“ gele­sen und bin noch heute sauer auf meine Eltern, weil ich nie auf einen Pony­hof durfte.
  • Als ich das letzte Mal eine Bohr­ma­schine in der Hand hatte, habe ich die Strom­lei­tung in der Küche angebohrt.
  • Ich ver­su­che Män­ner immer ernst zu neh­men. Selbst wenn ihnen Haare aus den Ohren wachsen.

Das schreibe ich mal lie­ber vor­ne­weg. Und zwar nicht, weil ich mir Femi­nis­tin­nen als Latz­ho­sen tra­gende, „Mäd­chen­kram“ ableh­nende, hand­werk­lich begabte Män­ner­has­se­rin­nen vor­stelle, son­dern zur Erhei­te­rung für all die­je­ni­gen, die bis zu fol­gen­dem Hin­weis sonst gar nicht mehr lesen wür­den: Es ist eine Fußball-WM, keine Frauen-WM. Die Sport­art heißt Fuß­ball. FUßBALL — und nicht Frauen!

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Fri, 15 Apr 2011 01:36:00 -0700 An die Stifte, fertig, los! http://silvesterkind.posterous.com/an-die-stifte-fertig-los-15411 http://silvesterkind.posterous.com/an-die-stifte-fertig-los-15411

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Vor 20 Minu­ten hatte ich einen Krampf in der rech­ten Hand. Jetzt geht es wie­der. Eini­ger­ma­ßen zumin­dest, nur der Zei­ge­fin­ger wum­mert noch. Wis­st ihr warum? Ich wollte einen Brief schrei­ben. Per Hand. Das hat mich moto­risch aus der Bahn geworfen.

Ich bin Jour­na­lis­tin, ein Medi­en­mensch. Ich tippe in Schwin­del erre­gen­dem Tempo SMS, ich bin in Face­book mit Men­schen aus neun Natio­nen befreun­det und ich weiß sehr wohl, dass es sich bei einem iPad nicht um ein Ome­lette han­delt. Und den­noch: Auf gar kei­nen Fall akzep­tiere ich Schmer­zen, nur weil ich mal mehr mit der Hand schreibe als eine Urlaubskarte. Das geht gegen meine Ehre.

Als ich jung war haben sich schieß­lich Freund­schaf­ten am Schrei­ben ent­schie­den: Geha oder Peli­kan? Das war die erste Mar­ken­krise mei­nes Lebens und die habe ich sou­ve­rän gemeis­tert — und zum Lamy gegriffen.

Ich habe wirk­lich aller­hand in Sachen Medi­en­ent­wick­lung erlebt. Das erste Tele­fon, an das ich mich erin­nere, war wald­grün und hatte eine Wähl­scheibe. Eine Wähl­scheibe! Und wenn man die nicht bis zum Anschlag durch­ge­zo­gen hat, dann ging da gar nix! Apro­pos nix: Ich kenne noch gelbe Tele­fon­häus­chen, in denen man wahn­sin­nig viel tun konnte, das nix, aber auch gar nix mit Tele­fo­nie­ren zu tun hatte. Aber es hat sau­mä­ßig Spaß gemacht!

Meine inten­sivs­ten Som­mer­fe­ri­en­er­in­ne­run­gen sind die an den ZDF-Wunschfilm. Und damit natür­lich an den TED. Ja, die Abkür­zung TED hat durch­aus Bedeu­tung für mich: Tele­dia­log. „Ihr Anruf ist gezählt, bitte legen Sie auf“ – nie gehört? Herr­gott, wart ihr nicht im Krieg?

1998 habe ich mir mit Hilfe mei­nes schwä­bi­schen Freun­des Ral­phi meine erste E-Mail-Adresse sel­ber ange­legt – im schlecht rie­chen­den Com­pu­ter­raum eines schwe­di­schen Stu­den­ten­wohn­heims. Und, zur Hölle, ich habe mich gefühlt, als würde ich einem Geheim­bund bei­tre­ten. Diese Mail­adresse habe ich immer noch, seit mitt­ler­weile 13 Jah­ren. Aber mit dem E-Mail-Quatsch ist jetzt Schluss. Ich muss meine Schreib­hand trainieren.

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Tue, 29 Mar 2011 01:34:00 -0700 Landtagswahl? Also, ich hatte Spaß! http://silvesterkind.posterous.com/landtagswahl-also-ich-hatte-spass-29311 http://silvesterkind.posterous.com/landtagswahl-also-ich-hatte-spass-29311

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Der Krieg ist vor­bei. Par­don, die Wahl, meine ich natür­lich. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich hatte Spaß. Hier sind meine Top3 der Land­tags­wahl 2011.

  1. Meine Lieb­lings­urne: In Hechts­heim ist eine Urne mit Brief­wahl­un­ter­la­gen ver­ges­sen wor­den. „Sim­babwe“ ist das erste Wort, das mei­nem Kol­le­gen dazu raus­rutscht. Über den Nach­rich­ten­dienst Twit­ter for­dert jemand, die UNO solle Wahl­be­ob­ach­ter nach Hechts­heim schi­cken. Ich sehe die nächste Wahl schon vor mir: Die ver­sam­melte deut­sche Presse bela­gert Main­zer Wahl­lo­kale, Blau­helme sichern die Innen­stadt, Direkt­kan­di­da­ten bekom­men Leib­arzt und Psy­cho­loge an die Seite. Denn wegen die­ser Urne ent­spinnt sich ein Drama von anti­ken Aus­ma­ßen: Da Wolf­gang Rei­chel (CDU) nun Doris Ahnen (SPD) mit 13 Stim­men Vor­sprung das Direkt­man­dat weg­schnappt, geht der CDU­ler Berti Adams aus Trier leer aus. Der wäre näm­lich als Letz­ter der Liste in den Land­tag ein­ge­zo­gen. Ich glaube für die­sen Fall ist das Wort „Arsch­karte“ erfun­den worden.
  2. Mein Lieb­lings­wahl­pla­kat: Ich meine das Pla­kat von Peter Schmitz direkt vor mei­ner Haus­tür. Wochen­lang, ganz gleich zu wel­cher Uhr­zeit ich das Haus ver­las­sen habe, hat Herr Schmitz schon auf mich gewar­tet und mich ange­lä­chelt. Erst war ich kurz davor, ihn wegen Stal­kings anzu­zei­gen. Ich dachte näm­lich, es han­dele sich um eine Kon­takt­an­zeige, hatte er doch die wich­tigs­ten Merk­male „Arzt, ver­hei­ra­tet, 3 Kin­der“ gleich mit dazu­ge­schrie­ben. „Zahn­arzt“ wollte man wohl nicht schrei­ben – davon bekom­men die meis­ten Leute näm­lich ent­we­der ein schlech­tes Gewis­sen oder Phan­tom­schmer­zen. Ich war jeden­falls drauf und dran die Liste zu erwei­tern: 1 Nase, 4 Dosen Erbsen,…Aber was soll ich sagen, jetzt ist er weg und ich fühle mich einsam.
  3. Mein Lieb­lings­po­li­ti­ker: Rai­ner Brü­derle. Für immer.

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